Noch immer herrscht bei Laien und vielen Medizinern die Meinung, die koronare Herzkrankheit (KHK) sei eine typische Krankheit des Mannes im mittleren und höheren Lebensalter. Bis Mitte der 90er Jahre hielt sich der Mythos, dass Frauen aufgrund ihres hormonellen Status vor einer KHK generell geschützt seien. Erst in den letzten Jahren konnte aufgedeckt werden, dass die KHK in den Industrieländern für Frauen ebenso wie für Männer die führende Todesursache ist, weit vor allen Tumorerkrankungen. Bei Frauen entwickelt sich eine KHK im Durchschnitt 10 Jahre später als bei Männern, zeitlich übereinstimmend mit dem natürlichen Abfall des Östrogenserumspiegels mit Beginn der Menopause.
Die Verdachtsdiagnose der KHK bei Frauen bleibt eine Herausforderung für jeden Mediziner! Frauen haben eher Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen als Druck auf der Brust. Deshalb durchlaufen Frauen ein wesentlich längeres Intervall bis sie zu einer Herzkatheteruntersuchung überwiesen werden. Der Zeitraum vom Auftreten von Beschwerden bis zur Herzkatheteruntersuchung dauert bei Frauen durchschnittlich länger als 6 Jahre, während dieser Zeitraum bei Männern durchschnittlich bei ca. 9 Monaten liegt.
Wegen des höheren Lebensalters wiesen Frauen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose ihrer KHK mehr Begleiterkrankungen sowie wesentlich mehr Risikofaktoren auf. Aber auch im Fall eines akuten Infarktes kommen Frauen in der Regel zu spät in die Klinik. Bei Ihnen dauert dies durchschnittlich 150 bis 180 Minuten länger als bei Männern, bis nach Schmerzbeginn eine Klinik erreicht wird. Die verspätete Inanspruchnahme ärztlicher Hilfe beim akuten Infarkt wirkt sich ungünstig auf die Erhaltung von Herzmuskelgewebe und dadurch auf die Prognose aus. Dies erklärt die höhere Sterblichkeit von Frauen beim akuten Herzinfarkt.
Bis Mitte der 90er Jahre war die Wahrscheinlichkeit einer Frau, nach einem Herzinfarkt eine Herzkatheteruntersuchung zu erhalten, geringer als die eines Mannes. Heute aber wissen wir, dass Frauen, wenn erst einmal die Diagnose eines Herzinfarktes gestellt worden ist, von einer frühzeitigen Herzkatheteruntersuchung und einem frühzeitigen Herzkathetereingriff profitieren und dieses Vorgehen eindeutig mit einer Senkung der Sterblichkeit verbunden ist.
Im Langzeitverlauf zeigt sich für Frauen eine vergleichbar gute Prognose wie bei den männlichen Patienten.
Die Gesundheitskonferenz des Rhein-Kreises Neuss hat dieses Thema im Jahr 2007 auf Vorschlag der Kreistagsabgeordneten Maria Widdekind aufgegriffen und eine Informationsveranstaltung durchgeführt. Die Vortragsunterlagen können bei der Geschäftsstelle der Gesundheitskonferenz angefordert werden.
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